Theater – ein therapiefreier Raum

1998 wurde in München THEATER APROPROS gegründet. Der Impuls hierzu kam von Prof. Dr. Hans Lauter, dem ehemaligen Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar, München. THEATER APROPROS geht auf eine Initiative des Vereins Ariadne e.V., Verein zur Hilfe für Alterskranke und seelisch Kranke, zurück. Das Projekt entstand aus der Idee, einen Raum zu schaffen, wo sich Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und in der Psychiatrie professionell Tätige (Psychiater, Psychologen, Sozialpädagogen) ohne therapeutischen Anspruch begegnen.

Theater als ein therapiefreier Raum bietet gleiche Herausforderungen für alle, die sich auf die Bühne wagen. Theater kann durch die Übernahme und das spielerische Umgehen mit anderen, neuen Rollen ohne therapeutischen Anspruch zur Entfaltung personaler Freiheit führen. Theater bietet im Spiel einen Freiraum für unbefangenes Begegnen miteinander und vor Publikum. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf Möglichkeiten und Fähigkeiten, nicht auf vermeintliche Handicaps. Ein Handicap kann hier zur besonderen Stärke werden.

Unter der künsterischen Leitung und professionellen Regie von Anette Spola und Rudolf Vogel des Münchner TamS Theaters spielen 12 bis 15 Menschen mit seelischen Erkrankungen (schizophrene Psychosen, schwere Depressionen) und Therapeuten gemeinsam Theater. Die Akteure sind vor allem jüngere Menschen, die nach längeren und mehrfachen Klinikaufenthalten in therapeutischen Wohngemeinschaften leben.

Weiterführende Informationen erhalten Sie in dem Fachartikel Theaterspiel mit psychisch Kranken – Eine Therapie? (PDF), der in der Publikation Kunsttherapie bei psychischen Störungen erschienen ist.

»Wozu Theater taugen könnte: als ein Spielraum zur Schaffung bisher unentdeckter Spielräume des Zuschauers, als ein Mittel durch das das Bewusstsein des einzelnen nicht weiter, aber genauer wird, als ein Mittel zum Empfindlichmachen: zum Reizbarmachen: zum Reagieren: als ein Mittel, auf die Welt zu kommen.«
Peter Handke

Das Spiel als Zusammenspiel

Am Anfang, bei unserem Kennenlernen in der Seidlvilla, gab es nichts: kein Stück, keinen Text, keine Konzeption, keinen Plan wie die Proben ablaufen könnten. Skepsis und Unsicherheit vermutlich bei allen, die da im Kreis saßen und sich nacheinander mit Namen vorstellten.

Die ersten Wochen arbeiteten wir ohne Textvorlage. Wir wollten das Spielen als Vorgang vermitteln. Im Spiel das Lebendigsein erfahren. Das Spiel als Zusammenspiel!
Sich kennenlernen und den anderen. Zum Spielen darf ich meinen Körper, meine Stimme erfahren. Was kann ich alles aushalten mit Körperhaltung, mit Gesten, mit kleinen Gesten, mit theatralischen großen Gesten.

Wir machten viel zusammen. Gingen ins Theater, Konzert und ins Wirtshaus. In letzterem kamen uns die besten Ideen. Immer gerichtet auf unser selbstgestecktes Ziel. Wir fanden, erfanden, wir phantasierten und schlugen uns herum mit den Realitäten, die das Theatermachen mit sich bringt.

Die Kerntruppe (der Wunsch jeden Theaterleiters) ist seit 10 Jahren zusammen und hat sich eine Professionalität erarbeitet, die gemeinsame Projekte mit Berufsschauspielern ermöglicht zu beidseitiger Bereicherung. Das Pfund, mit dem die APROPROS- Darsteller wuchern, ist ihre Authentizität, die den Zuschauer über den rein theatralischen Effekt hinaus berührt.

Anette Spola & Rudolf Vogel