Theater – ein therapiefreier Raum

1998 wurde in München THEATER APROPROS gegründet. Der Impuls hierzu kam von Prof. Dr. Hans Lauter, dem ehemaligen Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar, München. THEATER APROPROS geht auf eine Initiative des Vereins Ariadne e.V., Verein zur Hilfe für Alterskranke und seelisch Kranke, zurück. Das Projekt entstand aus der Idee, einen Raum zu schaffen, wo sich Menschen mit psychischen Erkrankungen und in der Psychiatrie professionell Tätige (Psychiater, Psychologen, Sozialpädagogen) ohne therapeutischen Anspruch begegnen.

Theater als ein therapiefreier Raum bietet gleiche Herausforderungen für alle, die sich auf die Bühne wagen. Theater kann durch die Übernahme und das spielerische Umgehen mit anderen, neuen Rollen ohne therapeutischen Anspruch zur Entfaltung personaler Freiheit führen. Theater bietet im Spiel einen Freiraum für unbefangenes Begegnen miteinander und vor Publikum. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf Möglichkeiten und Fähigkeiten, nicht auf vermeintliche Handicaps. Ein Handicap kann hier zur besonderen Stärke werden.

Unter der künstlerischen Leitung und professionellen Regie von Anette Spola und Rudolf Vogel des Münchner TamS Theaters entstanden 7 Stücke, die große öffentliche Anerkennung fanden. Über die Entstehung von „Reise nach Utopia“ drehte Bernd Thomas einen Dokumentationsfilm für die BR-Reihe „Stolpersteine“.

Seit Herbst 2013 hat Anton Prestele die künstlerische Leitung übernommen, gemeinsam mit der Gruppe erarbeitet er die neuen Produktionen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie in dem Fachartikel Theaterspiel mit psychisch Kranken – Eine Therapie? (PDF), der in der Publikation Kunsttherapie bei psychischen Störungen erschienen ist. 

»Wozu Theater taugen könnte: als ein Spielraum zur Schaffung bisher unentdeckter Spielräume des Zuschauers, als ein Mittel durch das das Bewusstsein des einzelnen nicht weiter, aber genauer wird, als ein Mittel zum Empfindlichmachen: zum Reizbarmachen: zum Reagieren: als ein Mittel, auf die Welt zu kommen.«
Peter Handke

Das Spiel als Zusammenspiel

In unserer Theaterarbeit verfolgen wir die Idee, Musik, Sprache und Bewegung in einer ganzheitlichen Form spielerisch zum Ausdruck zu bringen.

Jeder Mitwirkende soll dabei gezielt mit seinen Neigungen, Begabungen und technischen Fähigkeiten, aber auch mit seiner ganzen Persönlichkeit in dieses Gesamtkonzept mit einbezogen werden.

Es gilt also nicht, eine sogenannte „perfekte Theaterarbeit“ im üblichen Sinne anzustreben, sondern unser Ansatzpunkt soll eher ein künstlerischer sein.

Dies setzt voraus, dass die Auseinandersetzung mit Inhalten und wie wir sie mit unseren Möglichkeiten gemeinsam in diesem gruppendynamischen Prozess umsetzen können, im Vordergrund stehen muss.

Zwar wollen auch wir Theatertechniken, wie Sprechen, Singen, Ausdruck, Haltung und Bewegung in Übungen und Improvisationsstudien verbessern und erweitern, aber ein schlecht gesprochenes Wort, ein falsch intonierter Ton oder eine missglückte Bewegung können durchaus einmal auch am Platze richtig sein, wenn es inhaltlich stimmig bleibt und sich der Vortragende in seiner künstlerischen Darstellung öffnen und mitteilen konnte.

Dieses Freimachen von gewissen „Theaterzwängen“, könnte vor allem Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen eine wertvolle Hilfe sein, sich leichter verstehen und anzunehmen auf ihrem ganz persönlichen Weg zu sich selbst.

Anton Prestele, Barbara Altmann